AUS UNSEREM PROGRAMMHEFT

DIE VIER WALDHORN-KATASTROPHEN

Katastrophe 1: 08.04.1989 

Im Oktober 1985 hatte das Kino im Waldhorn erstmals nach längerer Unterbrechung seine Wiedereröffnung gefeiert -als Programmkino mit anspruchsvollem Filmprogramm.Die Gründer- jahre waren sehr mühsam gewesen,der Publikumszuspruch bescheiden, stabile wirtschaftliche Verhältnisse lagen in weiter Ferne. 

Erst 1989 gelang es uns erstmals, eine reguläre Filmvorführung bis auf den letzten Platz zu füllen: beim Film „Rainman“ mit Dustin Hofman und Tom Cruise. Gespannt saßen 135 Zuschauer*Innen im ausverkauften Saal. Doch unsere Tonanlage, seinerzeit nicht größer als ein heutiger Bluray-Player, war genauso aufgeregt wie wir und brach nach wenigen Filmminuten an Überhitzung zusammen. Wir mussten unglückseligerweise alle Besucher *Innen wieder auszahlen. 

Katastrophe 2: 08.07.1996 

Nach und nach war uns eine wirtschaftliche Stabilisierung gelungen und so konnten wir uns endlich eine neue Kinobestuhlung leisten. Guten Gewissens verkauften wir unsere alten Kinostühle bis auf die letzte Armlehne in der Annahme, dass die neuen Sitze fristgerecht eintreffen würden. Die Bestuhlungsfirma war auf Grund finanzieller Problemejedochkurzfristig in Lieferschwierigkeiten geraten, so dass der Saal sage und schreibe drei Wochen lang leer gewesen wäre, hätte Karsten Schuffert von den „Bewegten Bildern Tübingen“ uns nicht die weißen Plastik-Gartenstühle aus seinem Open-Air-Fundus geborgt. Schade, dass wir aus dieser Phase kein Foto haben.Für uns waren dies drei schlimme Wochen,war die neue Bestuhlung doch bereits von uns anbezahlt worden und mussten wir fürchten, dass die Bestuhlungsfirma und somit auch wir selbst in die Insolvenz rutschen könnten. 

 

Katastrophe 3: 03.02.2013 

Es war der unvergessliche Spieltag,an dem die Rottenburger Volleyballer in der Paul-Horn-Arena gegen den VfB Friedrichshafen in aussichtsreicher Führung lagen. In unserem Kino lief zeitgleich „Die Kirche bleibt imDorf“ vor ausverauftem Saal.Kurz nach Beginn des zweiten Volleyball-Satzes brach im vorderen Teil des Kinosaals ein Stück von der denkmalgeschützten, 300 Jahre alten Decke herunter und traf eine Kinozuschauerin. Was folgte, war für uns ein wahrer Alptraum: Der Saal musste geräumt und gesperrt, die Zuschauerin medizinisch versorgt und zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden. Glücklicherweise hatte sie keine schlimme Verletzung. Dank dem engagierten Zimmermann Ralf Vollmer, dem kooperativen Restaurator Fabian Schorer und schneller Hilfe vom Statiker Klaus Johner, dem Bauamt und dem Denkmalamt konnten wir bereits nach wenigen Tagen wieder öffnen. In den Folgemonaten wurde die Decke mit einer speziellen Verschraubung gesichert und restauriert. Sie wird seither regelmäßig von Fabian Schorer geprüft. Alles in allem hatten wir viel Glück im Unglück. Es hätte auch noch schlimmer kommen können. Für uns. Denn die TVR-Volleyballer gewannen an diesem Tag gegen Friedrichshafen mit 3:2. 

Katastrophe 4: Die Corona-Krise 

Immer noch befinden wir uns mittendrin. Wir sind zwar existenziell nicht gefährdet, bangen jedoch um die Kinobranche im Allgemeinen, denn je länger der Lockdown dauert, desto schwerer wird es für uns alle, wieder in einen „normalen“ Rythmus zurückzufinden. Indes: Die Zuversicht bleibt. 

Wir sind sehr dankbar für zahlreiche Unterstützungen. Wir erhielten Spenden von Privatpersonen, die Stadt Rottenburg, das Land Baden-Württemberg und auch der Bund haben uns bezuschusst. Dankbar sind wir auch allen Anzeigenkunden unseres Programmhefts, denn so können wir weiterhin Präsenz in der Öffentlichkeit bewahren. Und wenn auch die hier angekündigten Filme wahrscheinlich vorerst nicht gezeigt werden dürfen, so bekommen Sie immerhin Lust und einen Vorgeschmack auf die Zukunft. 

Interview mit Heinrich Del Core

Seit 2000 ist Heinrich del Core (59) als Comedian und Kabarettist sehr erfolgreich auf Deutschlands Bühnen unterwegs und Gast in zahlreichen TV-Sendungen. Als Sohn eines Italieners und einer Schwäbin sind ihm Humor und Leichtigkeit wohl angeboren. Seine Geschichten konstruiert er nicht, sondern schöpft sie aus dem prallen Leben. Unterhaltsamste Standup-Comedy und sympathische Bühnenpräsenz begründen zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Wir veranstalten Heinrich del Core seit vielen Jahren immer wieder gerne und so oft wie möglich.
Das Interview führte Monika Grevenstein (MG), Redakteurin unserer Programmzeitschrift.

MG: Heinrich, du hast seit Mitte März keine oder nur wenige Auftritte vor realem Publikum gehabt. Wie nutzt du denn diese Zeit?


Heinrich del Core: Wir haben z.B. sehr viel renoviert. Im Juli habe ich für meine Frau sogar im Garten ein Hoch-Beet gebaut. Früher konnte ich ja sagen „Hab leider keine Zeit“, aber das lässt sie jetzt nicht mehr gelten. Sogar ein mit über 1000 Teilen großes Gewächshaus ist entstanden - als Weihnachtsgeschenk, sie hat es aber schon vorher entdeckt. Ich laufe auch sehr viel, weiß jetzt, wie man pochierte Eier macht, und eine Neujahrsbrezel ist mir auch gelungen.

MG: Und bekommst du für deine Verdienstausfälle denn eigentlich einen finanziellen Ausgleich von staatlicher Stelle?


Heinrich del Core: Ja, habe ich im letztes Jahr nach dem ersten Lockdown bekommen, musste aber wieder was zurückbezahlen, Abschlagszahlungen für die November, -und Dezemberhilfe habe ich jetzt auch gekriegt, warte aber immer noch auf die Restzahlungen.... Und man weiß ja nie, ob man hier auch wieder was zurückzahlen muss.

MG: Das Kino im Waldhorn hat recht viele Spenden von Privatpersonen erhalten. Ist das bei dir auch so?

Heinrich del Core: Nein, leider nicht. Vielleicht sollte ich ja auch noch ein Kino eröffnen.

MG: Was für eine emotionale bzw. psychische Auswirkung hat das derzeitige „Berufsverbot“ auf dich als Künstler, der es ja normalerweise gewöhnt ist, im Rampenlicht zu stehen und Leute zum Lachen zu bringen?

Heinrich del Core: Dass wir Künstler mal unter einem Berufsverbot leiden, hätten wir nie für möglich gehalten. Die Bühne und das Publikum fehlen
mir sehr. Ich bin ein positiv denkender Mensch, deshalb sage ich, irgendwann wird und muss es wieder weitergehen, und wenn dann die verrückte Zeit vorüber ist, werden die Menschen wieder kulturelle Einrichtungen besuchen, und wir dürfen sie wieder zum Lachen, Staunen oder Weinen bringen.

MG: Findest du, dass die von der Politik getroffenen Maßnahmen gerecht, also sinnvoll sind?


Heinrich del Core: Vieles ist gerecht und vieles ist sinnvoll. Anderes ist nicht gerecht und auch nicht sinnvoll.

MG: Was glaubst du? Wird sich deine Branche nach der Krise schnell erholen?


Heinrich del Core: Ja, das glaube ich. Wir werden mit neuem Esprit und vielen Emotionen zurückkommen.

MG: Gibt es für dich auch positive Erfahrungen, ausgelöst durch die Pandemie?

Heinrich del Core: Ich habe sehr viel erlebt. Alleine bei einem PCR Test, den ich vor Kurzem machen musste, weil ich für eine TV-Aufzeichnung in München gebucht war. Da sind einige Sachen passiert, die ich dann aber lieber auf der Bühne erzählen werde.

MG: Übrigens: Freut sich dein „Schatz“, wenn du so viel zuhause bist?

Heinrich del Core: Moment,ich frag sie mal kurz. .... Ja sie freut sich wirklich sehr und hofft, dass ich bald wieder einen Auftritt habe, am besten ganz im Norden. Ich frage mal wo im Norden .... „Am Nordpol“, hat sie gesagt.

MG: Letzte Frage, Heinrich: Lässt du dich impfen?

Heinrich del Core: Erst mal nicht. Aber wahrscheinlich wird man nicht drumherum kommen. Vielleicht dürfen wir ohne Impfpass ja gar nicht mehr spielen.

MG: Und wann ist der Spuk wohl vorbei? Was glaubst du?

Heinrich del Core: Ich denke und hoffe, dass wir im Juli wieder auftreten dürfen, sonst muss ich wahrscheinlich noch ein Hoch-Beet bauen.

Tickets für Heinrich del Core

WIR BLEIBEN KLIMANEUTRAL

Ein Schwerpunkt unseres Programms ist bereits seit vielen Jahren die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Missständen. Das klimapolitische Debakel ist einer dieser Missstände, auf die wir mit vielen kritischen Dokumentationen regelmäßig aufmerksam machen. Unsere eigene betriebliche CO2-Emissionstand allerdings immer im Widerspruch zu unseren Idealen. Wir haben deshalb bereits vor elf(!) Jahren das Konzept des „klimaneutralen Kinos“ entwickelt.

Das Grundprinzip: Der CO2-Verbrauch des Waldhorn-Kinos wird durch Investitionen in ein Aufforstungsprojekt ausgeglichen. Unser CO2-Verbrauchwurde von der hiesigen Hochschule für Forstwirtschaft im Rahmen einer Bachelor-Arbeit nach neuesten wissenschaftlichen Maßstäben errechnet.

Für die Kompensation standen uns verschiedene Aufforstungsprojekte zur Auswahl. Wir entschieden uns bis 2015 für das Kikonda-Projekt in Uganda, wechselten aber 2016 (nach einem kritischen SPIEGEL-ONLINE-Artikel) zum Projekt Togo in West-Afrika. Durch unsere Unterstützung werden dort Bäume gepflanzt, die 80 Tonnen klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre binden (auch wenn wir weniger produzieren, kauften wir Zertifikate über 80 Tonnen).

Indes hat die Corona-Krise zu derart starken Besucherrückgängen geführt, dass wir für denZeitraum November 2020 bis Oktober 2021 auf 50 Tonnen CO2-Äquivalent reduziert haben.

Das Togo-Projektwird regelmäßig vom TÜV SÜD auf seine Nachhaltigkeit und Transparenz kontrolliert und entspricht dem international anerkannten Gold-Standard. Hauptkriterien dieses Standards sind die ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Projekts in der betreffenden Region.So werden durch die Unterstützung nicht nur Bäume gepflanzt, sondern auch die natürlichen Lebensräume erhalten, Einheimischen Arbeit und medizinische Versorgung verschafft und Schulbildung und ein Leben in menschenwürdigen Unterkünften sichergestellt.

Das „Projekt Togo“ wird von der deutschen Betreiberfirma natureOffice GmbH in Budenheim bei Wiesbaden betreut und arbeitet mit der hiesigen Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) zusammen. Aufforstungsprojekte sind der Schlüssel für die Förderung von 12 der 17 Nachhaltigkeitszielen der Weltgemeinschaft im Rahmen der Agenda 2030 in Afrika.

Weitere Infos: www.natureoffice.com

WIR GABEN DIE MEHRWERTSTEUER WEITER

Zum 01.07.2020 wurde die Mehrwertsteuer für 
einen Kinobesuch von 7% auf 5% reduziert. Dieser
 Umstand hätte sich auf eine Eintrittskarte lediglich 
minimal ausgewirkt: Statt 9,00 € hätten 8,85 € für 
eine Kinokarte bezahlt werden müssen.
 Wir haben uns darum entschieden, die Erlöse 
aus der Mehrwertsteuersenkung an verschiedene
Kinderhilfsprojekte der Dritten Welt weiterzugeben, hat sich die Corona-Pandemie doch 
insbesondere für Kinder der ärmeren Länder fatal 
ausgewirkt. Wir haben jeden Monat ein anderes, 
vornehmlich regional verwaltetes Hilfsprojekt un
terstützt, deren Mitarbeiter wir kennen und dem 
wir vorbehaltlos vertrauen.


Im Juli haben wir mit den Mehrwertsteuern 
einen Betrag von 134,26 € eingespart. Er wurde
 gespendet an die Organisation „Seeds e.V.“, die die
Schulausstattung in dem abgelegenen nepale
sischen Bergdorf Ratmate fördert. Ein kleiner 
Beitrag mit vergleichsweise großer Wirkung für 
die Bildung der dort lebenden Kinder. 


Mit den August-Einnahmen kamen wir auf einen 
Spendebetrag von 227,72 €. Damit unterstützten
wir das Remmingsheimer „Forum Kinder in Not
e.V.“, das aktuell Projekte in Tansania, Pakistan und
 Äthiopien unterstützt.

Die September-Einsparung ging an die „Malawi
 Freunde Rottenburg e.V., sie erhielten 185,31 Euro.
 Sie unterstützen die Tawuka Secondary School in 
Chilumba Vithukutu Township, einer Gemeinde im 
Norden von Malawi.


Und schließlich haben wir im Oktober (zzgl. dem 1. November) einen Betrag von 293,27 €
 eingespart. Dieser Betrag ging an Uhuru e.V. in
 Gomaringen und somit an Kinder und Jugendliche 
(insbesondere Straßenkinder und Waisenkinder) 
im Raum Kisumu in West-Kenia. 


Sollten auch Sie an diese vertrauensvollen Organsiationen spenden wollen, die Spendenkonten
sowie weitere Infos finden Sie auf deren Websites:

www.seeds-ev.de

www.forum-kinder-in-not.de

www.malawi-freunde-rottenburg.de

www.uhuru-ev.de