Nawalny

Dokumentarfilm
USA 2021
Regie: Daniel Roher
Laufzeit: 99 min.
FSK ab 12

Als sich der russische Oppositionelle Alexei Nawalny im August 2020 mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Sibirien befindet, hat er das Nervengift „Nowitschok“ bereits im Körper. Nur durch eine Notlandung und die Überführung in die Berliner Charité überlebt er. Während seiner monatelangen Genesung im Schwarzwald macht er schockierende Entdeckungen über den Angriff auf sein Leben, der wohl vom russischen Geheimdienst beauftragt wurde. Dennoch kehrt er nach der Genesung im Januar 2021 in seine Heimat zurück und wird dort sofort nach der Ankunft verhaftet. Seitdem befindet er sich unter lebensbedrohlichen Bedingungen im Straflager Pokrow bei Moskau, das als besonders hart gilt, in Haft. Am 22. März 2022, mitten im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, wird seine Strafe wegen angeblichen Betrugs auf neun Jahre Haft verlängert. Nawalnys Anwälte sind in Berufung gegangen und fordern Freispruch, doch dies ist vor dem Ende von Putins Regime wohl nicht in Aussicht.

Wie ein Politthriller gestaltet sich Daniel Rohers Dokumentation über den Regimegegner. Sie begleitet ihn in den oben beschriebenen schockierenden wie persönlichen Momenten: vom Giftanschlag über seinen Aufenthalt in Deutschland bis zu seiner Rückkehr nach Moskau.

Eine interessante Dokumentation, die alles andere als eine pure Schwarzweißzeichnung ist. Der kanadische Regisseur Daniel Roher will nicht nur die Strategien und Erfolge, sondern auch das Umfeld und den Charakter des russischen Oppositionellen porträtieren und geht auch auf seine Verbindungen zu Rechtsnationalisten ein, für die er von den westlichen Medien sowie der linksliberalen russischen Opposition immer wieder kritisiert wird, insbesondere wegen seiner populistischen Rhetorik. Doch nicht nur das. Augenmerk wird auch auf Putin und sein Regime gelegt. Nach außen hin bescheidene Patrioten, in Wahrheit die Köpfe eines korrupten Systems, das vor allem der eigenen Bereicherung dient. Putinympathisanten hätten vor nur wenigen Monaten wohl noch den einen oder anderen Grund gefunden, die Darstellung des Kreml zumindest neutral einordnen zu wollen. Mit dem Wissen von heute ergibt sich ein anderes Bild: das eines skrupellosen Machthabers, der zur Erreichung seiner Ziele vor nichts zurückschreckt. Dies weiß auch Nawalny selbst. „Machen wir einen Thriller aus diesem Film“, sagt er zu Beginn, „und falls ich umgebracht werde, können wir einen langweiligen Gedenkfilm daraus machen.“ Nun, langweilig ist der Film in keiner Weise.

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