STYX

Filmbeitrag zur Internationalen Woche gegen Rassismus in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Tübingen (keb) und der städtischen Integrationsbeauftragten Ourania Kougioumtzidou
zu Gast: Friedhold Ulonska, Kapitän von Seenot-Rettungsschiffen im Gespräch mit Petra Preunkert-Skálová, keb Tübingen

Deutschland 2018
Regie: Wolfgang Fischer
DarstellerInnen: Susanne Wolff, Gedion Wekesa, ...
Laufzeit: 94 min.
FSK ab 12

Sie ist ziemlich tough – die 40jährige Rike, die in Köln als Notärztin tätig ist. Doch ihre Arbeit ist so anstrengend, dass sie irgendwann eine Auszeit nimmt. Sie will von Gibraltar aus mit ihrer Motor- segelyacht „Asa Gray“ zur Atlantikinsel Ascension, auch bekannt als Himmelfahrtinsel, segeln. Allein. So belädt sie ihr Boot mit allem, was sie für eine mehrwöchige Reise braucht, studiert Seekarten und setzt die Segel. Alles läuft nach Plan: steuern, navigieren, Funksprüche beantworten. Bei Rike stimmt jeder Handgriff, stets weiß sie, was zu tun ist. Sogar einen nächtlichen Sturm übersteht sie gekonnt und unbeschadet. Doch dann entdeckt sie eines Morgens in nur etwa 150 Metern Entfernung einen manövrierunfähigen Fischkutter, überladen mit circa hundert Flüchtlingen vom afrikanischen Festland. Per Funk versucht Rike, Hilfe herbeizurufen. Doch weder von den Behörden noch von vorbeifahrenden Frachtschiffen erhält sie Hilfe; von der Küstenwache wird ihr das eigene Einschreiten sogar untersagt. Gleichzeitig versuchen die Geflüchteten verzweifelt, auf sich aufmerksam zu machen. Einige springen dabei sogar ins Wasser, um zu Rikes Boot zu schwimmen. Nicht zu helfen ist für die Ärztin keine Option. Wegschauen und weitersegeln, während sich vor den Augen eine humanitäre Katastrophe abspielt, geht nicht. Aber soll man Einzelne retten und viele andere sterben lassen? Oder versuchen, allen zu helfen, auch wenn das eigene Boot dabei sinkt? 

Das ist die die ebenso schwierige wie einleuchtende Frage des Films. Regisseur Wolfgang Fischer zeigt Riekes Ringen ohne Pathos. Nichts wirkt aufgesetzt oder übertrieben. Die Dinge sind so wie sie sind. Fast hat man den Eindruck, als nehme er die Position des distanzierten Beobachters ein. Die Kamera sieht Rike zunächst einmal geduldig zu, bei der Arbeit und beim Segeln. Er lässt den Dingen ihre Zeit, so dass eine unterschwellige Spannung entsteht. Bis die Hauptfigur, diese durchaus wetterfeste, bewusste Frau, die bisher für alles eine Lösung hatte, an ihre Grenze stößt. Eine unbequeme Wahrheit wird hier verdeutlicht. Für die Katastrophe, die sich abspielt, hat nicht nur Rike keinen Plan. Die Realität der Flüchtlingskrise ist ein Albtraum, den der Regisseur in surreal anmutenden Bildern gefilmt hat.

Schauspielerin Susanne Wolf segelt selbst. Man sieht sofort, dass sie das kann. Gedreht wurde größtenteils auf dem offenen Meer. Es gibt kaum inszenatorischen Schnickschnack, auch deshalb wirkt Rikes Notlage so realistisch. Über weite Strecken wird auch nicht geredet; „Styx“ ist eine beeindruckende One-Woman-Show.

Übrigens geht der Filmtitel auf ein allegorisches Gewässer zurück. Der Styx ist ein Fluss der Unterwelt, die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten, ein Wasser des Grauens.

AKTUELLE VORFÜHRUNGEN

  • 21.11.
9

Die Waldhorn-Card

Sie kommen regelmäßig ins Waldhorn? Mit unserer Waldhorn-Card sparen Sie für zwölf Monate pro Besuch 1,50 € und sie kostet nur 6 €. Sprechen Sie uns gerne an der Kasse darauf an.

Image
Image

Newsletter

Kontakt

Kino im Waldhorn
Königstraße 12

72108 Rottenburg

Tel.: +49 7472 22 888
E-Mail: post@kinowaldhorn.de