Western

Sa 28.10. und So 29.10. 18.00 Uhr (8,00 €)

Deutschland/ Bulgarien/ Österreich 2017
Regie: Valeska Grisebach
Darsteller: Meinhard Neumann, Reinhardt
Wetrek, Syuleyman Akilov Letifov u.a.
Laufzeit: 121 min. | FSK ab 12

Bulgarien in der Nähe der griechischen Grenze. In einem gänzlich abgeschnittenen Flusstal soll ein deutscher Bauarbeiter-Trupp ein Kraftwerk errichten, für das der Fluss umgeleitet werden muss. Die Männer um Vorarbeiter Vincent richten sich ein und hissen die deutsche Flagge. Man bleibt erstmal unter sich. Nicht so der Ex-Soldat Meinhard. Nachdem er in Afghanistan und Afrika gedient hat, ist er ein schweigsamer, introvertierter Mensch geworden. Bei der Erkundung der Umgebung kommt er in Kontakt mit Bewohnern eines kleinen, der Baustelle nahe gelegenen Dorfes. Die verhalten sich skeptisch und abwartend, wissen nicht so recht, wie sie den Fremden einschätzen sollen. Freundlich sind sie den Deutschen jedenfalls nicht unbedingt gesonnen. Erst recht nicht, weil sich Bauleiter Vincent beim Baden im Fluss drei Bulgarinnen gegenüber wie ein Prolet benommen hat. Zudem führen die massiven Eingriffe in die regionale Ökologie bald zu Konflikten. Denn in der Gegend ist das Wasser knapp, das Dorf sitzt auf dem Trockenen, wenn die Deutschen zu viel abzwacken. Darüber muss gesprochen werden, denn das ist ein „problem“. Aber gesprochen werden kann nicht viel, spricht doch keiner der beiden Parteien die Sprache des anderen. Darüber hinaus verhindern Vorurteile und kulturelle Differenzen ein friedvolles Miteinander. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz entsteht zwischen Meinhard und dem Dorfbewohner Adrian im Laufe der Zeit so etwas wie Freundschaft. Was Bauleiter Vincent mächtig gegen den Strich geht…

Es ist der ungefähr 50-jährige Meinhard, um den sich die Geschichte rankt, ein einsamer Wolf, ein Mensch, der schon viel erlebt hat und doch immer noch nach sich selbst sucht. Ganz klar: Meinhard hat mehr Gefühle und Sehnsüchte als sein meist unbewegtes Gesicht verrät. Er passt in diese wilde, ungezähmte Landschaft und man weiß nie so ganz genau, was noch von ihm zu erwarten ist. Harmlos ist er jedenfalls nicht und das spürt auch sein Gegenspieler Vincent in jeder Situation, auch wenn sich die beiden in der Regel nur mit Blicken taxieren.

Einen Western im Osten hat Valeska Grisebach hier inszeniert und das Erzählmuster dieses Genres ins Moderne transportiert: Aus Cowboys werden Bauarbeiter, aus Indianern die Bulgaren aus dem Dorf. Und dafür hat sie ausschließlich mit Laien gedreht. Im Wesentlichen spielen die sich selbst, in höchst körperlicher Präsenz und ungemeiner Authentizität.